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Es waren für die Kleinkunstkneipe Parkplatz ungewohnte Töne, die am Donnerstag von den drei Musikern der "Global Shtetl Band" gespielt wurden. Der Mix aus jiddischer Klezmermusik, südamerikanischen Rhythmen, gewürzt mit anderen Weltmusikzutaten, hob sich wohltuend von dem sonst in Pirmasens zu hörenden Coverbrei ab. Vor allem waren drei Musiker zu bewundern, die sichtlich mit Begeisterung agierten. Das zeigt auch die teilweise umfangreiche Vorarbeit, die der aus dem Saarland stammende Sänger Markus Milian Müller, sein Kollege am Akkordeon Bartek Stanczyk aus dem polnischen Lublin sowie Drummer Peter Riedel aus Nürnberg für ihre Konzerte leisten. Nur Noten abzuspielen, ist die Sache der "Global Shtetl Band" nicht. Da wurde recherchiert, fast vergessene jüdische Musik aus Archiven ausgegraben, Lieder aus den 30er Jahren mit neuen Elementen kombiniert, viel übersetzt und neu betextet. Das Konzert ermöglichte so eine Zeit- und Weltreise von den 20er Jahren im heute ukrainischen Gallizien über den Balkan bis nach Südamerika und die USA. Die Klammer dabei ist die offenbar sehr wandlungsfähige Klezmer- Musik, die von dem Trio mitreißend beherrscht wird.
Mamboniks nennt sich diese besondere Variante der Klezmer-Musik, die ihren Höhepunkt in den 30er bis 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den USA hatte. Die jüdischen Einwanderer aus Osteuropa brachten in den Mamboniks ihre Musik in die Musikstile der neuen Welt, wie Salsa, Cha-Cha-Cha, Rumba, Tango oder Reggae ein. In der Auseinandersetzung und Interpretation mit der lateinamerikanischen Musik versuchten sie, eine neue Identifikation und einen Platz in der neuen Welt zu finden. Die Intention der "Global Shtetl Band" ist es, diese alten, bereits in Vergessenheit geratenen Lieder dem Publikum wieder näher zu bringen, aber auch von dieser Idee ausgehend neue Lieder mit neuen Texten zu kreieren und diesen Musikstil ins Heute zu übertragen. In den "Kukaratschas" genannten Interpretationen verwendet Müller schon mal einen griechischen Schlager aus den 30ern und dichtet einen neuen jiddischen Text dazu oder macht aus der "West Side Story" eine "East Side Story" mit einem jüdischpolnischen Mädchen und einem Italiener in den Hauptrollen und spielt den Tango Margareta getragen als Bolero. Schön und voller Poesie sind auch die alten jiddischen Texte, wie in dem Bolero von Max Zahlkind, einem argentinischen Sänger, der von einem Vagabunden handelt, der befürchtet, dass nur die Vögel auf seiner Beerdigung pfeifen oder das Lied "Habibile", in dem die kleine Habiba aus Liebe ihr Zelt webt.
Müller singt jiddisch, begleitet von temperamentvollem lateinamerikanischem Rhythmus und dem oft melancholischen Unterton des Akkordeons. Müller ist aber auch ein Virtuose auf dem Kontrabass. Einige Lieder begleitet er auf einer Cister. Der für den erkrankten Drummer Daniel Piccon eingesprungene Riedel ist ein Percussionkünstler, der den lateinamerikanischen Rhythmus im Blut hat. Faszinierend war auch dessen Zusammenspiel mit dem Akkordeon von Stanczyk. Hier fusionierte zuweilen das Temperament des Balkans mit dem pulsierenden Rhythmus Lateinamerikas zu virtuosen, mitreißenden und ungewöhnlichen Klangkompositionen. Die Mischung ist durchaus gelungen und gut zum Tanzen geeignet. "Wir wollen gute Musik machen, die Freude bereitet", beschreibt Müller die Intention der Gruppe, die auch in Pirmasens neue Freunde fand.
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